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Dinge oder S.A.L.V.E.

ach ja, ich bin impulsiv, ungeduldig und schnell sauer. das ist im umgang mit mir nicht immer einfach. der persönlichkeitstest nach den BIG-SIX, welchen ich im zuge meines psychologie-studiums ausführlich bearbeiten musste, klatschte mir das auch knallhart ins gesicht. ich wirke sehr kritisch und barsch. ich verzeihe die kleinen fehler der anderen kaum. bams. ja, das ist nicht zu beschönigen; ich kann mich darin wiederfinden. generell war der test unglaublich treffsicher, was die merkmale meines seins ausmachen. (ich bin offen für neue ideen, arbeite gerne kreativ, bin selbstsicher aber ich brauche nicht viele stimuli von außen und bin deshalb gerne allein .) yeah, schublade auf, individuum rein!IMG_1223.jpgaber im ernst. im umgang mit dem sohnemann will ich selbstverständlich weniger 'impulsiv, ungeduldig und schnell sauer' sein. die gute alte perspektivenübernahme ist mir da oft eine hilfe, allerdings gerade im durchgeplanten alltag (yeah, studiums-stress) eine herausforderung. noami aldort hat da allerdings eine 1A taktik im angebot, welche auch in ihrem buch 'Von der Erziehung zur Einfühlung: Wie Eltern und Kinder gemeinsam wachsen können' zu lesen ist.

die formel lautet S A L V E. etwas, was sich zu notieren und auswendiglernen lohnt. S steht für stummes selbstgespräch, A für aufmerksamkeit, L für lauschen, V für verständnis und E für ermutigen. grundvoraussetzungen, die man sich daneben noch antrainieren sollte, sind (1) eine wohlwollende haltung anderen gegenüber (ja, selbst denen gegenüber, die man schon länger oder kurzfristig scheiße findet.), (2) immer davon auszugehen, dass das gegenüber ihm das bestmögliche macht und (3) seine eigene reaktion (oder die bös-fiese stimme im kopf) zu hinterfragen.IMG_1208.jpgscheint eine beinah unlösbare aufgabe, diese formel. vor allem dann, wenn man eh schon gestresst und genervt ist. also mir fällt das zumindest nicht immer leicht den impuls des frustentladens zu stoppen  und lieber erstmal die klappe zu halten. das verlangt übung, beinah meditativ.

ein beispiel: ich habe, neben all den anderen 1000 dingen auf meiner to do liste, das badezimmer gewischt. keine 20 minuten später gehe ich auf die toilette und sehe ein chaos aus klopapier, fußabdrücken, urin und wasser über dem fußboden verteilt. der sohn hat da irgendwas getan. mein erster impuls: ich bin sauer. nach all der mühe hat die sauberkeit im bad keine stunde angehalten. ich würde gerne einen schuldigen finden und ihn zur lebenslangen haftstrafe verdonnern. und zu essen gibt's nur rosenkohl. so. - jetzt erstmal atmen. den unfug, den ich da denke, erzähle ich natürlich nur mir selbst (S). ich sehe das hier jemand versucht hat selbstständig auf's klo zu gehen (A). ich frage niila ob er auf toilette war und er erzählt, dass aus versehen pipi ausgelaufen ist. er hat versucht es aufzuwischen und mit wasser sauber zu machen, aber es hat nicht ganz geklappt. (L) ich antworte, dass mir auch hin und wieder unfälle auf dem klo passieren und ich die einfach wieder wegmache (V). wir holen zusammen tücher und räumen gemeinsam auf (E).IMG_1192.jpgniila fühlt sich danach weder falsch, noch schuldig, denn der versucht nur ihm das bestmögliche zu tun und ich bin dazu da, ihn dabei geduldig zu begleiten, ohne meinen frust über den vollen terminkalender an ihm auszulassen. oft macht der kopf aus situationen probleme, wo eigentlich keine sind. wenn ich also die wahl habe zwischen einem dreckigen boden inkl. sauer sein und einem dreckigen boden  mit guter laune, ja dann entscheide ich mich doch lieber für die zweite variante.

in diesem sinne: 'we can clean the floor in anger or in happiness; same floor.' naomi aldortIMG_1228.jpg