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Dinge oder Konflikte, die andere haben.

IMG_4963.jpgselten hab ich so viel über mich erfahren, wie durch die beobachtung der konflikte anderer. sei es, von sehr viel jüngeren menschen miteinander oder eben zwischen erwachsenen. ich spüre immer schnell, wie sehr mich streit oder reibung zwischen zwei menschen stresst. so sehr stresst, dass ich das kaum aushalte oder es als 'normales vorkommnis' erachte. wenn ich mich selber streite, ist das noch mal eine ganz andere kiste.

wenn zwei kinder sich in den haaren liegen, bin ich recht schnell in vermittlungsversuchen und schlichtungen verstrickt. da schwanke ich sehr zwischen 'selber machen lassen' und 'ich mag konstruktive lösungen vorschlagen', mit tendenz zum zweiteren, nicht unbedingt besseren. mich lehrt das ungemein in empathie, auch für meine eigenen auseinandersetzungen. oft stelle ich fest, dass kinderkonflikte und ihre lösungsansätze, denen, der erwachsenen sehr ähneln (oder eben anders rum) und ich erwische mich selbst auch beim 'sand-in-die-augen-zurück-schmeißen'.

wenn ich zwei erwachsene erlebe, die ganz offensichtlich ähnliche zwischenmenschliche (kommunikations)probleme haben wie ich, schaue ich oft in einen spiegel und sehe sofort meine (nicht-gewaltfreien) fehler ungeschickten formulierungen. drohungen, vorwürfe, beschuldigungen, wertungen. ich zucke dann immer ein bisschen zusammen und hoffe, mich beim nächsten mal zu bessern.

ich war kürzlich bei einem SEMINAR für 'GEWALTFREIE KOMMUNIKATION' und habe noch mal deutlicher erfahren, worum es m. rosenberg, der dieses konzept der kommunikation entwickelt hat, geht. er unterschiedet nicht nur zwischen verbindender und trennender kommunikation, sondern auch zwischen giraffen und wolf-menschen. wolf-menschen sind demnach eher geübt in trennender kommuniktion, die auf vier säulen, SCHULD, SCHAM, ANSGT und BELOHNUNG, basiert. wer sich jetzt über 'belohnung' als gewalt wundert, dem sei gesagt, dass das eine gut getarnte, oft gut-gemeinte, variante der manipulation und somit ganz deutlich eine form der gewalt ist.

das gegenteil, die giraffen-menschen, wollen diese säulen durch die verbindende kommunikation, durch berührtheit und mitgefühl, ersetzen. ganz zu beginn steht das mantra des wohlwollens, dann gibt es noch die berühmte methode aus folgenden 4 schritten: BITTE/WUNSCH (konkret, handlungsorientiert), BEDÜRFNISSE (was ich brauche), GEFÜHL (ohne vorwurf) und SITUATION (ohne wertung und deutung). zunächst wendet man diese 4 schritte bei der selbsteinfühlung an, um sich im anschluss gedanken darüber zu machen, was das gegenüber zu diesen 4 punkten empfindet. prozesskarte

ganz wichtig ist es, laut rosenberg, die beobachtung nicht mit bewertung zu vermischen, denn wenn das gegenüber bereits 'verurteilt/bewertet' wurde, kann es nur mit abwehr reagieren. ähnlich soll vorsicht geboten werden, wenn man über seine gefühle spricht. hier ist 'ich fühle mich verletzt, weil DU zu spät kommst' ein no-go. eine formulierung ohne vorwurf a la gewaltfreie kommunikation klingt folgendermaßen: 'ich bin traurig, weil ICH gerne mehr zeit mit dir verbracht hätte.' die URSACHEN unserer gefühle sind UNSERE bedürfnisse, niemals das gegenüber. das verhalten des anderen ist lediglich nur der auslöser, es weist uns nur auf unsere bedürfnisse hin.

ich stelle in meinem alltag bei konflikten fest, wie sehr ich noch üben muss, wie sehr aber auch diese grundhaltung ein leben verändern kann und wie sehr ich das als grundlage meiner lebensweise umsetzen will. allerdings habe ich auch festgestellt, wie schnell ich in alte fallen tappe trotz des theoretischen wissens. das ist vermutlich so, als würde man eine neue sprache lernen, muss die alte aber dadurch ersetzen. das braucht unglaublich viel praxis. aber wie praktizieren, wenn man immer wieder auf ein sprachlich nicht-gewaltfreies gegenüber trifft? wieviel 'gewalt' steckt in eurer sprache?

(ich hab gewaltfreisein als neue schublade erstellt und werde öftermal über meinen lernzwischenstand berichten. am 22.8. nehme ich an einem vertiefungsseminar teil. es gibt auch übungsgruppen für die praktiker unter uns.)