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Dinge oder Ja, frag sie doch selber!

IMG_6383neulich war ich mit der u-bahn u2 unterwegs. es war kurz vor 'feierabend-rushhour' und ich hatte zwei energie geladene kinder dabei. als wir in der vineta straße einstiegen, war der kurze wagon so gut wie leer. genug platz und raum für uns drei. es gab eine leichte verstimmtheit zwischen dem 3 und 5 jährigen und da war die möglichkeit, viel abstand voneinanderzu haben, recht gut für die beiden.

der ältere setzte sich also gewollt an das andere ende des wagens - der jüngere, mit der distanz zum freund unzufrieden, neben mich. eine station weiter, stieg die erste welle fahrgäste ein und die unruhe nahm ihren lauf. die bahn war laut, die leute waren laut, die kinder brüllten sich zeug über die ganzen sitzreihen zu. - ich war entspannt obwohl ich einen herausfordernen tag hatte und ich grinste über die zwei persönchen, die sich gegenseitig, leidenschaftlich gern, hochschaukelten.

irgendwann begann das raunen und stöhnen der mitpassagiere. kenne ich schon. ich erwartete auch schon bald wütendes, unadressiertes rumgemotze ohne blickkontakt. ganz, ganz selten passiert es mal, dass sich jemand verantwortungsabweisend direkt an mich wendet und an meine pflichten als mutter appelliert. ein wirklich häßlicher schuh, den ich mir im traum niemals-nicht anziehen werde. mir ist das schon zu unangenehm, wenn ich andere eltern in der bahn mit diesen schuhen sehe. ich trage nicht im geringsten die verantwortung dafür, die potentiellen bedürfnisse anderer leute zu erfüllen. jetzt ernsthaft. wenn ich das bedürfniss nach weniger lautstärke habe und ich kann genau ausmachen, was mir dabei hilft, nämlich das z.b. eine oder zwei personen leiser sind, dann trete ich in verbindung und formuliere eine bitte an die personen. weniger theoretisch: ist mir niila zu laut, bitte ich ihn leiser zu sein und schiebe noch eine erklärung hinterher. nun gut, die sache mit der bitte ist nicht so einfach, wie sie sich anhört. man vergisst leicht das eine bitte auch verneint werden kann. dann muss man kompromisse und andere lösungen finden.

diesmal passiert es also. der typ von gegenüber, mit den ohrstöpseln in den ohren und dem magazin in der hand, beugt sich zu mir rüber und knallt mir gereizt die frage ins gesicht, ob meine kinder unbedingt so laut sein müssten. ich sehe wie die umliegenden menschen innerlich applauieren. ein 'endlich!' flammt in ihren augen auf. früher wäre ich vermutlich umgehen wütend und patzig geworden.

'yes!', denk ich mir, 'jetzt passt mal alle auf!'. ich beuge mich ebenfalls herüber, schaue fest aber freundlich in seine augen und sage nur 'frag sie doch selbst!'. und zack - da sind sie, die millisekunden mit millionen gedanken und entscheidungen, die dieser typ gerade treffen muss und ich kann ihm dabei zuschauen. er atmet ein, verändert seine mimik und auch seine tonlage. er fragt nach den namen der kinder und spricht sie direkt auf augenhöhe an. er formuliert seine bedürfnisse und eine bitte nach mehr ruhe. die kinder haben ihm zugehört und mit dem gebrüll aufgehört. er bedankt sich und macht da weiter wo er vorher aufgehört hatte. eine authentische reaktion, die wohl viel über ein positives miteinander lehrt, aber leider ist das keine standard-reaktion auf mein entgegnen der rhetorischen fragen, die über die lippen der genervten mitmenschen zischen. aber hey, wir lernen alle täglich dazu.

ich grinste weiter. die bahn war immer noch laut. die kinder schauten, noch immer entfernt voneinander, aus den fenstern. ich denke, wir haben bei dieser begegnung alle etwas positives mitgenommen. ich hoffe es. ich hoffe du hiermit jetzt auch. :)