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Dinge oder Ich hab's kapiert

IMG_6465.jpg damals. ich war wesentlich jünger, hab noch in der heimatstadt gewohnt und war ständig unterwegs quer durch's land (und ein bisschen europa) um irgendwelche bands zu interviewen, als mir jemand auf die aufgabe 'STELL DIR EINE FRAGE UND BEANTOWRTE SIE' antwortete: 'Why? I Don't Know. - But I'm Gonna Find Out.'. ich war von der einfachheit und der gleichzeitigen komplexität der antwort so beeindruckt, dass daraus sogar ganz bald ein tattoo wurde (W.I.D.K.B.I.G.F.O.), welches mich immer daran erinnern sollte, das 'warum' herauszufinden. ich lebte also von dort an, mit genau dieser frage nach dem warum, durch die gegend. aber immer mit der gewissheit, dass ich das noch herausfinden werde. ich hab mal mehr, mal weniger intensiv ausschau gehalten. hab öfter vermutet es endlich verstanden zu haben und war doch noch weiter davon entfernt als ich dachte.

ich wurde geboren; war nicht gewollt; wurde nicht gestillt; schlief immer schon im eigenen bett: kam mit 1 ½ in die fremdbetreuung und verlies diese ganztags fremdversorgung erst mit 14; meine eltern kenne ich nicht als paar; endlich geschieden waren sie als ich 6 wurde und mein vater zog weit weg; von meinem 3-12 lebensjahr wurde ich durch einen angeheirateten onkel sexuell missbraucht; zu hause wurde ich von meiner mutter geschlagen; schule war leicht für mich aber meine eltern interessierten sich auch nie dafür; auch nicht für mich oder meine interessen; oder dafür, wer ich bin; meine geschwister waren ausgezogen; als ich 15 war, begann meine mutter, die räume (wohnzimmer, toilette, schlafzimmer, kühlschrank) in der wohnung vor mir abzuschießen und ich durfte das telefon nicht mehr benutzen; ich wurde mit 16 das erste mal von zuhause rausgeschmissen; dann noch mal mit 18; mit 18 erzählte ich das erste mal von dem missbrauch und meine mutter drohte mir sich umzubringen, wenn ich damit nicht vor gericht ziehe; ich zog vor gericht und begann eine ausgeprägte borderline persönlichkeit auszuleben; ich brach zwei ausbildungen ab und machte mein abitur; ich trank viel zu viel und verlor mich in beziehungen; ich studierte und gab eine menge geld für's tattoowieren, reisen und touren aus; mit 22 starb mein vater, ich brach das studium für einen vollzeitjob ab und verlor mein herz an jemanden, der es mir wahrlich schwer machte nähe zu spüren, aber eben genauso wie ich es schon immer kannte; ich verlor, auf dem weg, immer mehr freunde durch meine emotionale nicht-verfügbarkeit; ich hatte mit 24 4 beziehungen gleichzeitig und eine ausgeprägte esstörung richtung gewichtszunahme; mit 25 einen, auch körperlich schmerzhaften, zusammenbruch, begann eine therapie, bekam eine diagnose und ging in die privat-insolvenz und wurde vegan; mit 26 zog ich nach berlin oder eher einfach weg aus dem leben, in dem ich lebte und entwickelte eine esstörung in die andere richtung, sprich kotze mir die seele aus dem leib und fand vielleicht zu viel kontrolle; mit 27 wurde ich schwanger, verlor das kind und wurde noch mal schwanger obwohl ich wusste, dass die beziehung am ende ist; ein jahr später trennte ich mich, meine mutter starb und ich rutschte in die nächste beziehung zu einem menschen, der mich zunächst nur auf die schlimmsten dinge in mir drin hinwies und dafür sorgte das ich meine psychologische diagnose auch endlich begriff.

dann fand ich liebe. liebe für mein kind, für menschen, die dinge verstehen und für mich. ich begann zu lernen, wie gute beziehungen funktionieren und übe das noch immer. ich erfuhr rückbeelterung durch die fürsorge für mein eigenes kind, lernte bessere eltern zu sein als meine. lernte, dass ich nicht schuld bin an den dingen und fand heraus, wie ich meine bedürfnisse erkenne und mitteilen kann. lernte, das menschen mich brauchen und auch mögen, wie ich bin und was ich mache. ich bin in meinem körper und auch in meiner selbstbestimmten sexualität angekommen. ich verstehe jetzt das ganze konzept mit der verantwortung für sich selbst und das eigene handeln und was das für auswirkungen auch auf andere hat. ich habe kapiert, was andere mir beibringen können und was ich mir selbst beibringen kann; habe kapiert, was andere wahrscheinlich einfach so wissen aber wo mir einige steine in den lebensweg geschmissen wurden.

ich. ich hab mich jetzt und ich hab mich dabei umarmt. dafür musste ich gründlich in meiner biographie rumwühlen; anschauen, wie ich wurde, was ich bin. auch das ansehen, was wirklich nicht schön anzuschauen ist. ich hab es psychologisch seziert und ganz logisch analysiert. ich tat mir leid, ich tröstete mich und ich fand erlösende validierung. meine psyche suchte dabei immer genau die menschen für mich raus, die mich schmerzlich auf die heilenden lösungen stießen oder einfach nur so annahmen, wie ich bin. herrgott, hab ich gelitten. machmal tue ich das immer noch aber ich weiß jetzt wo ich bin und wo es hingeht.

ich bin noch lange nicht fertig. einige 10 ICD und DSM IV kriterien der borderlinestörung treffen nicht mehr zu. ich hab konstruktive lösungen für einige meiner verhaltensprobleme gefunden und arbeite aktiv weiter an den positiven veränderungen.

ich bin frei und auf dem weg, der mensch zu werden, der ich am ende sein muss. ey lebenssinn, ich hab's kapiert und ich komme mit aller kraft!