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Dinge oder 5 Leitsätze als Mutter

ich lese viel. neben sachbüchern und fachartikeln auch hin und wieder ratgeber über kinder'erziehung'. mitunter türmen sich in diesem literatursektor aber die abergraustigsten werke zusammen. als ich noch schwanger war, sagte mal ein vater zu mir: 'du, lies bloß keine ratgeber. da steht nur schrott drin. du wirst mutter von ganz allein!'. nun ja, unrecht hatte der gute mann damit nicht ganz. allerdings kann ich dem auch nicht voll zustimmen. immerhin kopiert man die meiste zeit seines daseins das verhalten seiner eltern oder elternähnlicher beziehungspersonen und die sollte man auch weit nach der pubertät noch h i n t e r f r a g e n. vieles kann man vielleicht noch garnicht erkennen, einiges schon verzeihen oder auch gut finden aber blind wiederholen sollte man aus dieser prägendsten beziehung grundsätzlich nichts.

also las ich reformpädagogen wie z.b. jesper juul, jean liedloff, ekkehard von braunmühl, alfie kohn, marshall rosenberg, rebecca wild oder naomi aldort. schlussendlich ergaben sich durch meine eigene intuition und fremde inspiration folgende 5 leitsätze:

  • das macht er nicht mehr mit 18 oder trust and wait {einer der wichtigsten lektionen, die mich mein sohn gelehrt hat. er war lange ein ziemlich unzufriedenes 24 stundenbaby und ich eine völlig erschöpfte jungmutter. allein dieses mantra brachte mir immer wieder kraft für die dunklen stunden des eltern seins. kinder sind von grund auf daran interessiert mit der welt und anderen in verbindung zu stehen. oft muss man sich als erwachsener einfach mal ein wenig zurück nehmen und sich in geduld üben um das leben passieren zu lassen. anders formuliert: vertraue darauf das alles gut wird.}
  • warum will ich das jetzt oder choose your battles wisely {ich bin ein ziemlich sturer mensch aber selbst als dieser bin ich immer wieder überrascht wie viel sturer ein kleinkind sein kann. ich beobachte häufig wie eltern in genau diesen kampf gehen. aber auch tatsächlich in einen kampf, den man gewinnen muss. wozu eigentlich? als ich begriffen habe, dass es mich einfach nur mehr kraft kostet als wir beide nutzen davon haben, lies ich es einfach sein. ich überprüfe nun meine forderungen. checke ob diese nicht unangemessen sind. lasse sie fallen oder biete im gegenzug eine alternative an. so entsteht daraus ein geben und nehmen.}
  • würde ich das jetzt mit einem erwachsenen machen oder live an open dialogue engaged at eye level with everyone {diese frage ist für mich der beziehungsverändernste einblick in mein eigenes verhalten. wie gehe ich eigentlich mit meinem mitmenschen um? wo mache ich den unterschied bei einem kind? und wieso? weil ich es bei einem mir unterlegenen einfacher kann? uncool, unfair und überhaupt nicht in ordnung. mein sohn hat den achtungsvollen umgang verdient, welchen ich anderen zu- und mir selbst eingestehe. auf augenhöhe bleiben. punkt.}
  • wie würde ich mich fühlen oder change your perspective {einer der wichtigsten leitsätze für alle meine lebensbereiche. empathie ist der schlüssel zur verbindung mit dem gegenüber und nichts anderes sollte man wollen, wenn man mit anderen kommuniziert und dabei positiv das gespräch verlassen will. gerade nach konflikten ist es ratsam sich selbst zirkulär zu hinterfragen. was ist neutral passiert? wie habe ich das aufgefasst? wie hat der andere das aufgefasst? wie hätte ich mit dieser auffassung reagiert? was kann ich anders machen? was würde ich mir selber wünschen? es ist so hilfreich, sich immer wieder in die schuhe des gegenübers zu begeben und auch dessen füße zu spüren. reflektiertes feedback von einem selbst rocks!}
  • struktur aber keine kontrolle oder freedom does not mean liscense  {ok, wer wird schon gerne von anderen kontrolliert? wie schnell merkst du selber, wenn dich jemand durch manipulation zu etwas bringen möchte, was du selber gar nicht willst? wie merkwürdig findest du es, durch belohnungen oder lob zu wünschenswertem verhalten animiert oder durch bestrafung, gar liebesentzug , für unerwünschtes verhalten abgewertet zu werden? kurz gesagt: das ist respektlos also lass ich es einfach. ich formuliere bedürfnisse und wünsche, was eine ganz natürliche art von 'regeln' darstellt. anders rum gilt selbstverständlich das gleiche. so entsteht ein rücksichtsvoller und respektvoller umgang zwischen dem sohnemann und mir. nun also zur freiheit innerhalb der stuktur: mein sohn hat allerlei freiheiten und eigenheiten, denen er nachgehen kann, wenn sie niemand anderen in seiner freiheit beschränken. daneben gibt es einen alltag, welcher einfach abläuft, bei dem er aus praktischen und organisatorischen gründen dabei sein muss. damit darf er mitunter auch gerne unzufrieden sein z.b. wenn er keinen bock hat mit einkaufen zugehen aber es niemanden gibt, der sonst auf ihn zu hause aufpasst. ich bin und bleibe, bei aller NICHT-erziehung und trotz pro-selbstbestimmungs-einstellung der erwachsene, der immer wieder entscheidungen für ihn fällen wird.}

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leseempfehlungen folgen... solange gibt es (unteranderem von mir) noch ein paar tipps mit kind in berlin auf M I T V E R G N Ü  G E N .